Diese Frage stellt sich immer wieder und kann je nach Art der Kritik mit ja oder nein beantwortet werden. Kritisieren ist ein «Volkssport», eine Art Beurteilung eines Tuns, Nichttuns oder Unfähigkeit an sich selber (im besten Fall) oder an einer anderen Person. Es ist immer einfacher Handlungen anderer an den Pranger zu stellen als die Eigenen kritisch zu hinter-fragen. Auf Kritik wird oftmals heftig reagiert, da diese vielfach als persönlicher Angriff empfunden und gewertet wird. Anregungen und sachlich fundierte Einwände sollen das Ziel verfolgen allfällige Verbesserungsmöglichkeiten oder Korrekturen in einer Entscheidungsfindung nach Möglichkeit zu berücksichtigen.
Selbstkritik
Die Grundlage von Kritik ist die Selbstkritik, denn Fehler machen wir alle, bewusste oder unbewusste. Erst wer sein Tun oder Lassen kritisch hinterfragt, eigene Unzulänglichkeiten, Fehler oder Falscheinschätzungen sieht und eingesteht, sowie bereit ist eine persönliche Kritik entgegenzunehmen, hat eine beschränkte Berechtigung sachlich und aufbauend Kritik an anderen zu üben.
Persönliche und sachliche Kritik
Hinter einer Kritik, auch wenn sie eine Sache betrifft, steht immer eine Person die versucht, ihre Aufgabe nach ihren persönlichen und beruflichen Fähigkeiten bestmöglich zu erfüllen. Es geht primär um die Sache und nicht um die Person. Kritik darf weder verletzend noch verleumderisch sein, sie muss sachliche Fakten beinhalten, denn es geht nicht um Rechthaberei, sondern um das Besprechen und Suchen von durchführbaren Korrekturen oder Verbesserungen, für sich persönlich, ein Unternehmen oder für die Allgemeinheit. Wer in der Öffentlichkeit eine Führungsposition innehat, muss sich stets bewusst sein, dass er sich eines Tages kritischen Fragen stellen muss. Sei es bei nicht eingehaltenen Versprechungen, Herbeireden von Erfolg, Angstmacherei, mangelnder oder fehlender Informationen, Fehlbesetzung von Führungs-positionen, Falscheinschätzung oder persönliche Überschätzung usw.
Aufbauende Kritik als Ratschläge
Wenn ich als Privatperson Fehler begehe, muss ich dies persönlich in und mit meinem Umfeld verantworten, da nützt alles wenn und aber nichts. Stehe ich aber in einer Führungsposition, bin ich nicht nur mir selber verantwortlich, sondern einem Unternehmen mit seiner Belegschaft, einem Verein oder/und der Öffentlichkeit. Meine Arbeit und meine Entscheide werden von vielen Augen betrachtet und begutachtet. Jedes Handeln kann Fehleinschätzungen oder Fehler ergeben, führt früher oder später zu kritischen Fragen und Äusserungen, zu berechtigten oder unberechtigten. Jede Frage oder sachliche Kritik birgt auch eine nicht zu unterschätzende Chance, denn nur durch ein gemeinsames Diskutieren und Annehmen von Ratschlägen und Verbesserungsmöglichkeiten können wir in allen Lebens- und Arbeitsbereichen zielgerichtet und erfolgreich miteinander leben und arbeiten.
Sich einer offenen Diskussion zu stellen, das Gespräch zu suchen und kritische Fragen zu diskutieren, ist eine Notwendigkeit unseres Zusammenlebens. Dürfen keine kritischen Fragen mehr gestellt und diskutiert werden und ist dadurch mit Repressionen zu rechnen, führt dies zu einer Verarmung und einem passiven Verhalten eines liberalen Gesellschaftssystem.