Diese beiden Begriffe des Titels sind Werte, die eng miteinander verbunden sind. Die vor allem durch unsere Vorfahren erarbeiteten wirtschaftlichen Entwicklungen und Fortschritte brachten der Bevölkerung eine Verbesserung ihrer Arbeits- sowie Lebenssituation. Nach zahlreichen Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern stiegen die Löhne, wodurch ebenfalls die Sozialleistungen angepasst und ausgebaut werden konnten. Infolge dieser für Arbeitnehmer und Unternehmer positiven Entwicklung der Arbeits- und Ertragssituation führte dies für zahlreiche Familien zu einem sorgenfreieren Alltag, die Lebensbedingungen wurden verbessert. Die Menschen gewöhnten sich an den gemeinsam erarbeiteten und zunehmenden Wohlstand, von dem jedoch auch in der Schweiz nicht alle gleichermassen profitieren können.
Materieller Wohlstand
Reichtum wie auch Wohlstand sind auch heute noch weltweit einseitig auf Reiche, Vermögende, Arme und sehr Arme unterschiedlich verteilt. Vergleicht man die Schweiz mit dem Ausland, besteht aufgrund der nachstehenden Zahlen auch bei uns ein Wohlstandsgefälle.
Gegenüber den ungefähr 150 Milliardären und ca. 400’000 Millionären, die in der Schweiz wohnhaft sind, leben in der „reichen“ Schweiz ca. 700’000 Menschen am oder unter dem Existenzminimum. Die statistische Armutsquote stieg in den Jahren von 2014 bis 2024 von 6,8% auf 8,4%. Bei diesen Vergleichen geht es mir weder um Neid noch um Missgunst gegenüber dem Unternehmertum oder den Vermögenden, die ebenfalls ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Staat nachkommen und die Gesellschaft unterstützen. Zudem weiss ich aus meiner unternehmerischen Vergangenheit bestens, dass selbständiges und verantwortungsvolles Arbeiten mit persönlichen und finanziellen Risiken und Rückschlägen verbunden sind, resp. sein können.
Persönlicher immaterieller Wohlstand
Neben einer finanziellen Sicherheit ist ebenfalls der persönliche Wohlstand im familiären und gesellschaftlichen Leben von grosser Wichtigkeit. Gesundheit, Arbeitsplatzsicherheit, ein gutes Familienverhältnis, aufbauende Freundschaften, Zufriedenheit sowie gesellschaftliche Akzeptanz bilden wesentliche Bestandteile unseres persönlichen Erscheinungsbildes. Obschon Geld zu einer gewissen Geborgenheit und Sicherheit beitragen kann, müssen alle über den Schein und das Sein ihres Lebens selber entscheiden. Wir alle wissen, dass immaterielle und zum Leben notwendige moralische Werte nicht allein mit Geld erhältlich oder zu kaufen sind und auch das angehäufte Geld nicht zum „ewigen“ Leben führt.
Sicher wäre wünschenswert, wenn alle Menschen vom einseitigen, übermässigen und weltweiten Finanzkuchen ihr Leben verbessern und davon profitieren könnten. Dass bei der teilweise gierigen Anhäufung von Reichtum der allgemeine Wohlstand verbessert werden könnte, ist auch mir ein bekannter und bleibender Wunschtraum. Blättern wir in der Geschichte zurück wird sichtbar, dass die Kluft zwischen reich und arm keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern gewollt oder ungewollt von den „Herrschenden“ und ihren „Untertanen“ immer bestanden hat und – so wie es aussieht – weiter sorgsam gepflegt wird.