Sklaven – einst und heute

Die Sklaverei, dieser zu verachtende Handel mit Menschen, begann im 16. und dauerte bis ins 19. Jahrhundert. Um Geld zu sparen und Sozialabgaben zu umgehen, kennen wir bei uns diese „persönliche Sklaverei“ beim Thema Schwarzarbeit. Durch die weltweite Technisierung und Digitalisierung bis in Privatbereiche wurden wir – freiwillig oder unfreiwillig – in den Sog von „digitaler Sklaverei“ gezogen.

Menschenhandel und Sklaverei
Eine Vielzahl europäischer Länder kauften während den Kolonialzeiten bei Stammesfürsten in Afrika tausende Menschen wie Ware. Dies im Austausch gegen Waffen, Zucker, Tee, Kaffee, Textilien und anderem. Rechtlos und zusammengepfercht wie Vieh wurden sie auf Schiffen nach Amerika und in die Karibikstaaten „verfrachtet“, um sie an „weisse“ Kolonialherren zu verkaufen. Ebenfalls die indigenen Völker von Nord- und Südamerika erlitten dasselbe Schicksal. Unter erbärmlichsten Umständen wurden sie als Billigstarbeiter geschunden und ausgebeutet. Obschon die Sklaverei weltweit längst abgeschafft sein sollte, werden heute immer noch zahlreiche Menschen als schlechtgehaltene Mitarbeiter ausgebeutet und ihrer Rechte beraubt. Dies jedoch nicht als billige «Schwarzarbeiter» wie bei uns, sondern mit falschen Vesprechungen werden vor allem Menschen aus ärmeren Ländern als Sklaven angelockt oder zum Militärdienst in fremden Ländern rekrutiert.

Sklaven der technischen Entwicklung
Im Unterschied zum Sklavenhandel sind wir weder verkauft noch gekauft worden. In Freiheit, mit unseren Ideen und unserer Schaffenskraft, erarbeiteten wir unseren Wohlstand, wurden dadurch zum Teil „Sklaven der Arbeit“. Die fortschreitende digitale Technisierung in allen Arbeitsbereichen verlangt von Mitarbeitern Anpassungsfähigkeit und eine „höhere Gangart“. Dies heisst, infolge dieser Entwicklungen und des Termindrucks werden Angestellte oftmals einem zusätzlichen mentalen Druck ausgesetzt.
Die im privaten Bereich zunehmende Digitalisierung mit permanenter Reizüberflutung darf jedoch nicht als Arbeit bezeichnet werden. Das 24-Stunden «Erreicht-sein-Müssen“, das dauernde Telefonieren und Chatten, immer den Blick aufs Handy gerichtet, sowie eine stetige Musikberieselung über Kopfhörer bergen grosse Gefahren einer unbewussten Abhängigkeit dieser vielgepriesenen Technik. Dass dadurch die gesellschaftliche Fähigkeit des persönlichen und offenen Gesprächs in Vergessenheit geraten könnte, darf und sollte nicht sein. Das gesprochene Wort von Angesicht zu Angesicht ist nach wie vor von grösster gesellschaftlicher Bedeutung und kann nie durch „Künstliche Intelligenz“ ersetzt werden. Sicher, die Digitalisierung kann uns täglich unterstützen, darf uns jedoch nicht zu Sklaven degradieren, die nicht mehr fähig sind zu entscheiden oder miteinander ein persönliches Gespräch zu führen.

Seit den 1980er-Jahren bin ich mit meinem ersten Computer in die Digitalisierung hinein-gewachsen und möchte diese täglichen Hilfsmittel nicht mehr missen. Persönliche Gespräche, Gedanken austauschen und diskutieren schätze ich weiterhin sehr, denn sie helfen uns, aktuell zu bleiben und gemachte Erfahrungen weitergeben zu können und Gefühle auszudrücken. Achten wir darauf, dass das persönliche Gespräch in unserer freien Gesellschaft nicht verloren geht, denn die einzigartigen und mannigfaltigsten Eigenschaften unseres Gehirns sind nicht zu ersetzen.

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