Das Wort «Resignieren» kommt aus dem Lateinischen und bedeutet «aufgeben, sich dem Schicksal ergeben». Für viele, zu viele (?) in unserer Gesellschaft ist dieses Ohnmachtsgefühl, das sich Einfügen, auch gegen den eigenen Willen, leider der «Normalzustand». Ist es ein Selbstschutz zur Wahrung der eigenen Gesundheit? Schweigt man lieber dem Frieden zuliebe, auch wenn man sich selber dabei belügt? Die Resignation macht vor keinen Schranken halt, sei es in privaten, politischen oder geschäftlichen Bereichen. Längerfristig ist dieses Verhalten eine ungesunde Entwicklung.
Was ist und wie entsteht Resignation?
Die Ausübung von Macht – bewusst oder unbewusst – kann zur Unterdrückung und Resignation führen. Es ist ein Auflehnen als Person oder als Kollektiv gegen einseitige Weisungen, Befehle und Entscheide, sei es in der Familie, von Vorgesetzten, Behörden usw. Gründe zur Auflehnung liegen oftmals in der Nichtbeachtung von konstruktiven Kritiken und Vorschlägen, die bei Missfallen «unter den Tisch gewischt werden». Nicht nur in diktatorisch geführten Staaten (Demonstrationen, versuchte Umstürze) wird die Resignation sichtbar, sie ist leider ebenfalls bei uns vorhanden und sehr weit verbreitet (Abstimmungen, Gemeindeversammlungen usw.). Der vermeintlich «Stärkere» oder «Überlegenere» will die Gangart, resp. das Ergebnis einseitig und zum Voraus bestimmend beeinflussen, auch wenn Begründungen für eine andere oder bessere Lösung offen liegen würden. Durch Ausspielen von Macht – oftmals mit gefügigen Kooperationen – wird dem Andersdenkenden resp. Gegenüber eine Meinung aufgezwungen, wenn nötig mit Ausflüchten oder Notlügen. Wird ein Entscheid «von oben» auch nach eingehender Diskussion trotzdem nicht akzeptiert, kann eine erzwungene «Unterordnung» zu Resignation führen und trägt so wenig zur Motivation, resp. zu Problemlösungen bei.
Persönliche Resignation
Häufige erlebte persönliche Enttäuschungen führen zu Resignation, die bei Einzelnen vorerst nicht sichtbar werden, jedoch längerfristig psychische Schäden verursachen können, z.B. Burn out. Betroffene stellen sich dabei vielfach die Frage, ob sich ein Aufbäumen und Einstehen für eine Sache wirklich lohnt? Wäre Schweigen und Hinnehmen (auch bei Ungereimtheiten) besser für die Gesundheit? Wäre dies von persönlichem Vorteil? Beim Bejahen dieser Fragen, beim einseitigen Hinnehmen und Akzeptierenmüssen hat man resigniert. Werden Meinungsäusserungen, sowie ein aktives Mitarbeiten und -denken nicht erwünscht, unterdrückt oder behindert, verhindert dies eine positive Entwicklung des Zusammenlebens und -arbeitens. Für unsere Gesellschaft ist ein gemeinsames motivierendes Gespräch lebensnotwendig und von grösster Wichtigkeit, dies als bestes Rezept gegen eine lähmende Resignation.
Eine Resignationsphase darf uns nicht entmutigen, sondern soll uns ermutigen aktiv und selbstbewusst für berechtigte Vorschläge einzustehen und bei deren Nichtberücksichtigung nicht zu resignieren. Ewiges schweigen, grollen und resignieren ist die denkbar schlechteste Lösung, auch wenn das Einstehen für eine konstruktive und gute Sache nicht immer einfach ist. Dies erfordert oft viel Mut, Geduld und Durchhaltevermögen, denn durch anfängliche Wider-stände darf man sich nicht entmutigen lassen. Alles Gute muss oftmals über eine längere Zeit erarbeitet und erdauert werden, nach dem Motto «Gut Ding will Weile haben».