Hinter diesem Titel könnte sich nach dem ersten Lesen ein krimineller Hintergrund verbergen. Dies ist aber absolut nicht der Fall. Nach meinen persönlichen Lebenserfahrungen der letzten Jahrzehnte ist dieses «Täter-Opfer-Spiel» in unserer Gesellschaft weit verbreitet und zu allen Zeiten vorhanden. Ob in der Gesellschaft, in der Politik, in Führungsetagen oder in Verbänden, dieses «Täter-und-Opfer-Syndrom» war und ist in irgendeiner Form immer vorhanden, teilweise still und leise oder bestimmter und lauter.
Der Täter
Das Wort «Täter» stammt von Tat ab, d. h. etwas tun, machen. Die Chraraktereigenschaften der Täter werden in dieser Betrachtung in keiner Art und Weise in Frage gestellt oder beurteilt. Es geht mir dabei nur um den Versuch einer objektiven Hinterfragung des «Täterprofils», der Beweggründe der Täter. Wie das Wort «Täter» sagt, ist er ein Macher, einer, der unbedingt etwas bewegen möchte, auch gegen aktive oder passive Widerstände. Diese Täter sind ein Teil unserer Fortschritte, denn ohne sie wäre unsere Gesellschaft und Wirtschaft nicht in der heutigen, beneidenswerten Verfassung. Entscheidend für den Täter ist jedoch, dass er gegebenenfalls gewillt ist, andere Meinungen oder Mehrheiten gelten zu lassen, zum Wohl oder Vorteil besserer Lösungsansätze. Sicher, es gibt auch narzisstisch veranlagte «Täter», die berechnend nur ihre eigene Meinung gelten lassen. Werden sie gezwungen, Zugeständnisse einzugehen, werden sie diese im Moment wohl akzeptieren müssen, ohne aber dabei ihr persönlich angestrebtes egoistisches Fernziel aus den Augen zu verlieren.
Das Opfer
Die Eigenschaften der «Opfer» sind bildlich gesprochen diejenigen der Unterdrückten, der «ewigen Verlierer». Obschon aktives und kreatives Leben und Arbeiten als ihre Eigenschaften gelten, wirken die «Opfer» vielfach als sehr wichtige Mitarbeiter und Stützen eher im Hintergrund. In der Mehrzahl sind sie die Ausführenden und tragen wesentlich zum gesellschaftlichen und unternehmerischen Erfolg bei. Ihre Erfahrungen und Meinungen sollten bei der Umsetzung von Projekten mit einbezogen werden. Falls gute Einwände oder Vorschläge unbeachtet «unter den Tisch gewischt» werden, führt das bei den Mitarbeitern zu Frustrationen und kann ein weiteres erfolgreiches Schaffen blockieren. Das «Opfer» fühlt sich als Macher nicht ernst genommen und möglicherweise wird dadurch ein besseres Projektergebnis hintergangen oder sogar verhindert.
In unserer Gesellschaft sind «Täter» und «Opfer» für den gesellschaftlichen, politischen und unternehmerischen Erfolg notwendig. Für ein nutzbringendes und positives Schaffen sind beide aufeinander angewiesen. Müssen in der Zusammenarbeit jedoch Kompromisse gesucht oder eingegangen werden, sind «Täter» oftmals nur dazu bereit, wenn diese längerfristig auch zu ihrem Vorteil ausfallen.